Es klingt wirklich absurd. Eine weiblich aussehende Erdbeere geht im Büro eine heimliche Affäre mit ihrem Chef ein, einer Banane in einem weißen Hemd. Als sie schwanger wird und ein Baby auf die Welt bringt, fällt der Betrug ihrem Erdbeer-Ehemann auf - denn das Kind ist eine kleine Banane («Warum halte ich eine Banane?»). Das Drama ist groß. Solche mit Künstlicher Intelligenz (KI) generierten Kurzvideos tauchen momentan immer wieder auf Tiktok und Instagram auf. Teilweise werden sie tausendfach abgerufen und geteilt. Die Clips zeigen Früchte, Gemüse und andere Lebensmittel mit menschlichen Körpern, wie sie zum Beispiel über ihre Beziehung streiten, fremdgehen oder sich rächen, unterlegt mit dramatischer Musik und flachen Dialogen. Häufig verbunden sind sie mit Klischees oder auch sexistischen, rassistischen Narrativen. Was steckt dahinter? KI-generierte Fotos und Videos auf Plattformen wie Tiktok sind im Alltag angekommen. In den sozialen Medien fluten sie massenhaft Timelines. Viral gingen etwa schon als «Italian Brainrot» gelabelte, bizarre KI-Kreaturen, etwa ein Hai mit Sneakern und dem Namen «Tralalero Tralala». Nun tauchen also oft die KI-Fruchtvideos auf. Besonders beliebt: Eine Art Parodie der Reality-Dating-Show «Love Island» mit dem Titel «Fruit Love Island». Hier flirten KI-Früchte in Hawaii-Hemden und knapper Kleidung wie die männliche Banane Bananito oder die Wassermelone Watermelina miteinander. Die rund ein- bis dreiminütigen Episoden bei Tiktok folgen einer einfachen, aber klaren Dramaturgie. «Durch generative KI ist die Möglichkeit gegeben, relativ unkompliziert unwahrscheinliche, absurde und oft gerade deshalb faszinierende Szenarien herzustellen. Sie haben erst mal einen hohen Unterhaltungswert», ordnet die Medienethik-Wissenschaftlerin Jessica Heesen von der Universität Tübingen das Phänomen ein. Die Professorin beschäftigt sich unter anderem mit ethischen und philosophischen Debatten im Bereich Medien und Digitalisierung. Zwar müsse man sich etwas auskennen, mit der richtigen Software für generative KI und etwas Übung sei die Herstellung dieser Videos aber mittlerweile niedrigschwellig. Speziell für die KI-Fruchtvideos gibt es inzwischen auch eigene Generatoren. Bei diesen kommt laut Heesen eine sexuelle Komponente und die «mediale Attraktivität von Grenzüberschreitungen» hinzu. «Im Gewand von niedlichen Früchten können dann sexistische Stereotype bedient werden», sagt die Forscherin. Spezifisch bei «Fruit Love Island» sehe man, dass das Trash-TV-Format «Love Island» überspitzt und karikiert wiedergegeben werde, was sowohl für Fans als auch Kritikerinnen der Sendung lustig sei. Eine große Rolle spielten dabei die Plattformlogiken von Instagram und Tiktok, wie Heesen ausführt. Diese lenkten die Verbreitung auf Grundlage von Faktoren wie Emotionalisierung, Sensationalismus, Streit, und nicht nach redaktionell geprüften Qualitätskriterien. Beim aktuellen Boom der Fruchtvideos ist aus Sicht der Forscherin noch nicht mal klar, ob die hohen Zugriffszahlen teils durch KI-Bots zustande kämen. «Die erwarteten zumindest kurzzeitig hohen Zugriffszahlen sind sicher auch die Motivation zur Erstellung der Videos, mit denen auf diese Weise viel Geld verdient werden kann». Der Plattform Jugendschutz.net zufolge arbeitet die KI bei solchen Clips nicht «kreativ», sondern kopiere gesellschaftliche Klischees, wie sie bereits im Netz existierten. Nach den Beobachtungen der Organisation treten die Videos für deutsche Nutzer etwa seit Jahresanfang auf, vermehrt seit Februar und März. Kürzlich hatte sie einen Hinweis auf ihrer Internetseite zu den viralen Fruchtstorys veröffentlicht. Dort heißt es: «Was wie ein harmloser Trend wirkt, entpuppt sich oft als moralisch fragwürdig, sexistisch oder rassistisch. Auch Inhalte, die blutige Gewaltszenen gegen Frauen zeigen, finden sich darunter». Die Plattform warnt davor, bei Kindern und Jugendlichen könne eine Normalisierung und Werteverschiebung stattfinden, wenn sie diese unreflektiert als unterhaltsamen Content konsumierten. Die gehäufte Darstellung von problematischen Verhaltensweisen könne dazu führen, dass sich die Wahrnehmung dessen, was «normal» in einer Beziehung oder im Umgang mit dem anderen Geschlecht sein solle, verschiebe, schreibt sie auf Anfrage. In einem Video ist etwa zu sehen, wie ein Mann in Form einer Banane seine Birnen-Frau mit drastischen Worten dazu auffordert, abzunehmen. Dann betrügt er sie mit einer schlanken Erdbeere. Forscherin Heesen betont mit Blick auf die Wirkung solcher Inhalte aber auch: «Auch wenn ein Unterhaltungsformat eine gewisse Anziehung hat, heißt das noch nicht, dass diese Verhaltensweisen übernommen werden. So einfach funktioniert Medienwirkung nicht». Man wisse nichts über die Motive, sich diese Videos anzuschauen. «Den meisten Nutzerinnen und Nutzern wird klar sein, dass die dominanten Bananenmänner und die anschmiegsamen Erdbeerfrauen kein Rollenmodell für ihren Alltag sind.» Dennoch könnten Rollenmodelle natürlich durch fiktionale Inhalte und Unterhaltungsformate geprägt werden, so die Wissenschaftlerin. Das treffe auf Schlagershows, Krimis und eben auch auf KI-Videos zu. «Der Unterschied ist jedoch, dass fiktionale KI-Inhalte in weit höherem Maße extrem und grenzüberschreitend sein können.»Watermelina und Bananito bei «Fruit Love Island»
Forscherin: Bei Fruchtvideos kommt sexuelle Komponente dazu
Jugendschutz.net: Videos oft moralisch fragwürdig
Forscherin: Wissen nichts über Motive, sich diese Videos anzusehen
Bildnachweis: © Katharina Kausche/dpa
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Wenn Bananen fremdgehen: Was steckt hinter KI-Frucht-Videos?
Wassermelonen flirten, Erdbeeren betrügen Bananen: Solche KI-generierten Videos gehen momentan bei Tiktok und Instagram viral. Sie spielen dabei aber auch mit fragwürdigen Klischees.
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