25. April 2026 / Aus aller Welt

Was Bäume fürs Klima und den Artenschutz tun

Bäume speichern Kohlenstoff, spenden Schatten und bieten Lebensraum: Wie sie Klima und Artenvielfalt schützen – und warum ihre Wirkung in Europa zuletzt abgenommen hat.

Stadtbäume helfen, an heißen Tagen für etwas Kühlung zu sorgen. (Symbolbild)
Veröffentlicht am 25. April 2026 um 04:00 Uhr

Stadtbäume machen Beton- und Asphaltwüsten optisch gleich ein wenig netter. Doch nicht nur das - ein Baum, ob er nun in der Stadt, im Wald, auf der Streuobstwiese oder am Rand einer Landstraße steht, leistet auch einen großen Beitrag zum Klima- und Artenschutz. Ein Überblick zum «Tag des Baumes» an diesem Samstag.

«Wälder speichern langfristig Kohlenstoff in der Biomasse der Bäume, aber auch im Totholz und im Mineralboden», schreibt die bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) in Freising. Wie viel je Baum genau gespeichert wird, ist abhängig von vielen Faktoren, etwa dem Klima, der Größe, der Art und davon, wo er steht. 

Die LWF weist darauf hin, dass oft fälschlicherweise vermutet werde, Bäume speicherten direkt das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2), das sie der Atmosphäre entziehen. Bäume verwenden für den Biomasseaufbau jedoch lediglich den Kohlenstoff (C) und setzen den Sauerstoff (O2) wieder frei, erklärt es.

Große Kohlenstoffspeicherung - doch sie nimmt ab

«Wälder sind weltweit eine wichtige Kohlenstoffsenke», schreibt das Thünen-Institut, das Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei. Ihre Fähigkeit, als eine solche Senke zu wirken, also Kohlenstoff aus der Atmosphäre zu ziehen und zu speichern, sei beispielsweise in der EU jedoch in den vergangenen Jahren geringer geworden, schreibt das GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung mit Verweis auf eine Studie im Journal «Nature».

So sei die durchschnittliche Kohlenstoffaufnahme der Wälder pro Jahr in der EU im Zeitraum 2020 bis 2022 im Vergleich zu 2010 bis 2014 um etwa 27 Prozent zurückgegangen. «Ursächlich sind vermehrte Holzernte zur Energiegewinnung und die diversen Folgen des Klimawandels, von Hitze und Dürre bis zu Schädlingsbefall, Stürmen und Waldbränden.» 

Kühlung, Schatten, saubere Luft

Auch in der Stadt haben Bäume wichtige Funktionen - etwa als Schattenspender. Die Krone einer 60-jährigen Platane kann knapp 19 Meter breit werden, die einer Kastanie immerhin 11,2 Meter, wie es in einem Leitfaden für Stadtbäume der Technischen Universität München heißt. 

Wissenschaftler haben dort noch weitere Vorteile aufgelistet - etwa dass Bäume Schadstoffe aus der Luft filtern und die Luftqualität dadurch verbessern. Oder dass sie den Regenwasserabfluss nach Starkregen vermindern, «indem sie das Regenwasser in ihrer Krone auffangen und die Versickerung des in den Boden infiltrierten Wassers verlangsamen». Dadurch verringere sich das Risiko von lokalen Überschwemmungen durch die Überlastung der Kanalisation. 

In der Sommerhitze können Bäume eine Art natürliche Klimaanlage sein - vor allem durch Verdunstung. Ein einzelner ausgewachsener Laubbaum könne an einem heißen Sommertag etwa 300 bis 500 Liter Wasser verdunsten, heißt es bei der LWF. Bei einer Verdunstung von 400 Litern pro Tag entspreche das einer Kühlenergie von rund 270 Kilowattstunden (kWh).

Aber: Die tatsächliche Verdunstungsleistung hänge stark von den Standortbedingungen ab. Entscheidend sei vor allem, ob ausreichend Wasser im Boden verfügbar ist. «Bei Trockenheit schließen Bäume ihre Spaltöffnungen, wodurch die Verdunstung und damit auch die Kühlwirkung deutlich reduziert wird», teilt die Landesanstalt weiter mit.

Eine Hilfe für viele Arten 

«Heimische Bäume sind echte Hotspots der Artenvielfalt: Sie bieten Nahrung, Schutz und Lebensraum», sagt eine Sprecherin des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV). «Viele Arten sind auf ganz bestimmte Bäume spezialisiert, etwa Schmetterlinge, deren Raupen nur an einzelnen Baumarten fressen.»

Entscheidend sei die Vielfalt: Mischbestände aus heimischen Arten schafften deutlich mehr Lebensräume und seien stabiler als monotone oder nichtheimische Bestände, mit denen viele Tiere wenig anfangen können.

Der LBV widmet sich besonders dem Schutz der Streuobstwiesen. Sie zählten zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas: «Alte Obstbäume mit Höhlen bieten Brutplätze für Vögel wie den Steinkauz, während Blüten ein wichtiges Nahrungsangebot für Wildbienen und Schmetterlinge sind. Das Zusammenspiel aus Bäumen, Wiesen und extensiver Nutzung schafft zudem Lebensraum für Fledermäuse und zahlreiche Käferarten.» 

In den Kronen der Stadtbäume könnten Vögel wie Amseln oder Meisen brüten, Blüten und Blätter seien Nahrung für Insekten.


Bildnachweis: © Christian Charisius/dpa
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