21. April 2026 / Aus aller Welt

Angriff in Mexiko: Täter plante vermutlich nach US-Vorbild

Eine Kanadierin stirbt, 13 weitere Menschen werden verletzt: Ein 27-Jähriger greift an Mexikos berühmten Pyramiden Touristen an und soll nach dem Vorbild eines US-Massakers getötet haben.

Teotihuacan ist eine der meistbesuchten Ausgrabungsstätten in Mexiko.
Veröffentlicht am 21. April 2026 um 19:23 Uhr

Der bewaffnete Angriff auf Touristen an den Pyramiden von Teotihuacan in Mexiko ist laut Ermittlern von einem Einzeltäter verübt worden, der mutmaßlich nach dem Vorbild eines Massakers in den USA handelte. Bei der Tat in der bekannten Ruinenstadt nahe Mexiko-Stadt wurden eine Kanadierin getötet und 13 weitere Menschen verletzt. Die Tat geschah am 27. Jahrestag des Schulmassakers vom 20. April 1999 an der Columbine High School im US-Bundesstaat Colorado. 

Am Tag nach der Gewalttat präsentierten Sicherheitsbehörden erste Erkenntnisse aus den Ermittlungen auf einer Pressekonferenz von Präsidentin Claudia Sheinbaum. Der Täter, ein 27 Jahre alter Mexikaner, habe in einem Rucksack Schriften und Bilder bei sich getragen, die vermutlich «mit einer Gewalttat vom April 1999 in den USA in Bezug stehen», wie der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates México, José Luis Cervantes, sagte. Er erwähnte Columbine zwar nicht ausdrücklich, die Tat im Jahr 1999 soll jedoch laut Medienberichten das Vorbild gewesen sein. Damals wurden 13 Menschen getötet. Cervantes sprach von einem «psychopathischen Profil des Täters, das durch die Neigung gekennzeichnet ist, Ereignisse aus anderen Ländern nachzuahmen». 

Generalstaatsanwalt: Angriff war nicht spontan

 «Diese Handlung war nicht spontan», sagte Cervantes. Mehrfach vor dem Vorfall habe der Täter die Ausgrabungsstätte besucht. Er habe eine Waffe, ein Messer und eine Tüte mit 52 Patronen bei sich getragen.

Laut den offiziellen Angaben schoss der Angreifer von der Mondpyramide aus 14 Mal. Der erste Notruf sei am Montagmorgen um 11.20 Uhr (Ortszeit) eingegangen, sagte der örtliche Sicherheitschef Cristóbal Castañeda. Zehn Minuten später sei die Nationalgarde in der Ruinenstadt angekommen. Die Beamten hätten den Täter durch Schüsse am Bein verletzt. Daraufhin habe sich der Mann das Leben genommen. 

Laut einer Mitteilung des Sicherheitskabinetts wurden Touristen aus Kolumbien, Kanada, Russland, Brasilien und den USA verletzt, sieben davon durch Schüsse. Andere erlitten Verletzungen infolge von Stürzen. Zu den Menschen mit Schussverletzungen zählt - neben einem sechsjährigen Kind aus Kolumbien - auch eine 13-jährige Brasilianerin.

Mexiko gibt erneut Sicherheitsgarantien für die WM ab

Am 11. Juni wird die von Mexiko, den USA und Kanada gemeinsam ausgetragene WM im Aztekenstadion in Mexiko-Stadt eröffnet. «Die Sicherheit der Weltmeisterschaft ist gewährleistet», sagte Sicherheitsminister Omar García Harfuch. Bereits zuvor gab es Bedenken zur Sicherheitslage in Mexiko vor der WM. Ende Februar wurde der mächtige Drogenboss Nemesio Oseguera Cervantes bei einem Militäreinsatz getötet. Es folgten schwere Gewaltausbrüche seiner Anhänger. Mehr als 70 Menschen kamen ums Leben. 

Das Land mit rund 130 Millionen Einwohnern ist zwar durch die Gewalt der Drogenkartelle geprägt, doch Touristen sind als zufällige Opfer ums Leben gekommen. Zuvor hatte es jedoch keinen ähnlichen direkten Angriff auf Touristen wie den in Teotihuacan gegeben. 

Präsidentin Sheinbaum: Es war ein beispielloser Vorfall

«So etwas haben wir in Mexiko noch nie erlebt. Es ist das erste Mal, dass so etwas passiert», sagte Präsidentin Sheinbaum. Nach dem Vorfall wurde die Ruinenstadt bis auf weiteres geschlossen.«An archäologischen Stätten gibt es keine Metalldetektorschleusen», sagte Sheinbaum. Nun sollen die Sicherheitsprotokolle überprüft und verstärkt werden. 

Teotihuacan ist nach Chichén Itzá auf der Halbinsel Yucatán die meistbesuchte Ausgrabungsstätte in Mexiko. Weil die Anlage nur rund 50 Kilometer von Mexiko-Stadt entfernt liegt, ist sie ein fast unverzichtbarer Tagesausflug für Touristen, die die mexikanische Hauptstadt besuchen. Jährlich strömen rund 1,6 Millionen Menschen in die Ruinenstadt.


Bildnachweis: © Eduardo Verdugo/AP/dpa
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