30. April 2026 / Aus aller Welt

Kein «Heim zu Mutti»: Buckelwale gehen schnell eigene Wege

Der Poeler Wal ist auf dem Weg zur Nordsee – würde er von da aus heim zu Mama eilen?

In einer Art stählernem Aquarium wird der Poeler Buckelwal Richtung Nordsee geschleppt.
Veröffentlicht am 30. April 2026 um 12:09 Uhr

Droht dem gestrandeten Wal nach Rückkehr Ärger von seiner Mutter? Das hatte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus scherzhaft gemutmaßt, nachdem der Poeler Wal für den Transport zur Nordsee auf einen Ladekahn bugsiert worden war. Doch würde der vier bis sechs Jahre alte Bulle tatsächlich seine Familie suchen, sollte er Transport und Freisetzung längerfristig überstehen?

Die Antwort ist: Nein. «Im Gegensatz zu Zahnwalen bilden Bartenwale keine stabilen sozialen Gruppen, sogenannte Schulen», erklärte das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund. Die Kälber verblieben lediglich die etwa zwölf Monate währende Stillzeit bei ihren Müttern.

«Während wir Menschen unseren Eltern oft ein Leben lang nahestehen, trennen sich die Wege zwischen Buckelwalen recht schnell», hieß es von WDC. Sie kämen zwar punktuell mit Artgenossen zusammen – zum Beispiel, um effektiver Jagd auf Beute zu machen, zur Paarung oder um gemeinsame Kulturen zu pflegen. «Im Großen und Ganzen sind Buckelwale jedoch Einzelgänger.»

Wie alt könnte der Wal werden, wenn er überlebt?

Buckelwale haben der Tierschutzorganisation WDC zufolge eine Lebenserwartung von etwa 80 Jahren. Die Überlebenswahrscheinlichkeit von Bullen ist Experten zufolge oft geringer, unter anderem wegen der aggressiven, stressigen Konkurrenzkämpfe um Weibchen.

Wale geraten – wie der Poeler Buckelwal – häufig in Fischereinetze, wodurch sie ersticken, verhungern oder schwere Verletzungen erleiden können. Weltweit sterben nach WDC-Angaben jährlich rund 300.000 Wale und Delfine als unbeabsichtigter Beifang. Ihr Leiden und Sterben bleibt fast immer unbemerkt.

Hauptbedrohung für Buckel- und andere Großwal-Arten seien aber die im Zuge der Klimakrise steigenden Meerestemperaturen, hieß es. Auch Müll mache den Tieren zu schaffen. «Wale und Delfine können nicht gut unterscheiden, was Nahrung und was Müll ist.»


Bildnachweis: © Philip Dulian/dpa
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