Die gute Nachricht zuerst: «Die Gesamtsterblichkeit durch Herzkrankheiten in Deutschland ist erneut insgesamt leicht gesunken.» Das geht aus dem «Deutschen Herzbericht - Update 2026» hervor, der auf Zahlen von 2024 beruht. Ein deutlicher Rückgang wird insbesondere bei der Sterberate der Koronaren Herzkrankheit (KHK) verzeichnet, der Grunderkrankung des Herzinfarkts. Dabei sind Herzkranzgefäße verkalkt, die den Herzmuskel mit Blut versorgen. Die Sterberate bei Koronarer Herzkrankheit sank dem Bericht zufolge pro 100.000 Einwohner innerhalb eines Jahres von 127,3 auf 118,3 - ein Rückgang von mehr als sieben Prozent: Starben bundesweit 2023 insgesamt knapp 119.795 Menschen infolge von Koronaren Herzkrankheiten - davon 43.839 Herzinfarkte -, waren es 2024 noch 113.473 - davon 41.258 Herzinfarkte. Auch die Sterberaten durch andere Herzkrankheiten gingen zurück, mit einer Ausnahme: Die Zahl der angeborenen Herzfehler hat sich im Vergleich zum Vorjahr 2023 leicht erhöht. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung, Thomas Voigtländer, spricht von einem markanten und erfreulichen Rückgang. Als Grund sieht der Kardiologe Fortschritte in der Herzmedizin, sowohl in der Diagnostik als auch in der Therapie und Rehabilitation: Verfahren wie die Stent-Therapie oder die Bypass-Chirurgie seien weiterentwickelt worden, und auch medikamentöse Verfahren und die Rettungskette hätten sich verbessert. Allerdings müsse die Prävention nun stärker in den Vordergrund rücken: Ziel müsse sein, eine Schädigung der Herzkranzgefäße zu verhindern, unter anderem durch Verminderung von Risikofaktoren. Als «Gefäßkiller» gelten Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus, Adipositas und Rauchen. Hier müsse es mehr Vorsorgemaßnahmen und medikamentöse Therapien geben. Nach wie vor ist nach einem akuten Herzinfarkt die Prognose bei Frauen deutlich schlechter als bei Männern: Im Jahr 2024 starben 14,4 Prozent der betroffenen Frauen, bei den Männern waren es 10,1 Prozent. Diese Kluft gebe es schon seit 2019, betont Voigtländer. «Die genauen Ursachen solcher Sterbefälle noch während eines Krankenhausaufenthalts bedürfen der Analyse.» Die Unterschiede beruhen dem Bericht zufolge wohl auf Ursachen wie einer unterschiedlichen Multimorbidität, also dem zeitgleichen Auftreten mehrerer Erkrankungen. «Möglicherweise wird auch der Herzinfarkt bei Frauen erst später erkannt als bei Männern», heißt es im Bericht. Generell steigt in der Altersgruppe ab 70 Jahren der Anteil der kardiovaskulären Erkrankungen an allen Todesursachen. Angesichts des Alterns der Gesellschaft dürfte der Anteil von Herz-Kreislauf-Erkrankungen an den Todesursachen noch deutlich zunehmen, heißt es im Herzbericht. «Die herzmedizinische Versorgung stellt diese Entwicklung vor große Herausforderungen und erfordert eine interdisziplinäre multiprofessionelle und sektorenübergreifende Versorgung» - von ambulanten Hausarztpraxen über niedergelassenen Kardiologen bis hin zu den Kardiologen und Herzchirurgen in den Krankenhäusern. Auch jüngere Menschen sind mitunter von Herzerkrankungen betroffen. Bereits ab dem Alter von 40 Jahren seien steigende Hospitalisationsraten durch Koronare Herzkrankheit und Herzrhythmusstörungen zu erkennen, heißt es. Es komme darauf an, Risikopatienten zu identifizieren und Risikofaktoren mithilfe von Lebensstilmaßnahmen und möglicherweise auch Medikamenten einzustellen. So könnten Bluthochdruck, Fettleibigkeit, Diabetes sowie Rauchen und Alkoholkonsum etwa Vorhofflimmern und die Verengung von Herzkranzgefäßen fördern. Insgesamt wurden 2024 mehr als 1,65 Millionen herzbedingte Krankenhausaufenthalte gezählt, ein leichter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr. Allein durch Koronare Herzkrankheit, Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz - also Herzschwäche - gebe es pro Jahr rund 1,5 Millionen Klinikeinweisungen. Ins Auge fällt laut Herzbericht, dass bei einer Herzschwäche ab einem Alter von 60 Jahren vollstationäre Aufnahmen ins Krankenhaus kontinuierlich zunehmen und ab 65 Jahren steil ansteigen. Mit zunehmendem Alter steige bei diesen Patienten das Risiko einer sogenannten akuten Dekompensation - also einer Komplikation, bei der sich die Herzfunktion plötzlich massiv verschlechtert. Bei engmaschiger Betreuung könnten Krankenhausaufenthalte vermieden werden, heißt es im Bericht. Für vulnerable Gruppen sei zudem die von der Ständigen Impfkommission empfohlene Grippeimpfung besonders wichtig. Mit Blick auf Klinikinsolvenzen und im Zuge der Krankenhausreform wachse die Sorge vor Engpässen in der kardiologischen Akutversorgung, heißt im Bericht. Hinzu komme die ohnehin bestehende unterschiedliche Versorgungsdichte. Ein Hebel dazu könne die Verbreitung sogenannter Chest-Pain-Units (CPUs) sein, also Herz-Notfallambulanzen, so der Bericht: «Erfahrung und Kompetenz bei der Behandlung akuter Notfälle ist wichtig, wodurch sich die CPUs aufgrund einheitlicher Zertifizierungsstandards besonders auszeichnen.»Wie haben sich die Sterberaten bei Herzkrankheiten im Einzelnen entwickelt?
«Gefäßkiller» in den Blick nehmen
Prognose bei Frauen nach Herzinfarkt deutlich schlechter
Blick auf das Alter der Erkrankten
Auch Jüngere können Herzerkrankungen haben
Weiterhin viele Krankenhausaufenthalte
Sorge vor Engpässen
Bildnachweis: © Sebastian Kahnert/dpa
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Herzbericht: Weniger Todesfälle durch Herzinfarkte
Die Sterberate durch Herzinfarkte ist zuletzt deutlich gesunken. Was der aktuelle Herzbericht über Ursachen, Trends und Herausforderungen der Versorgung zeigt.
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