Sein Leben lang kämpfte Craig Venter gegen das Altern. Nach seiner wohl größten Errungenschaft, der Entschlüsselung des menschlichen Erbguts, veröffentlichte der US-Wissenschaftler mit seinem eigenen Genom die erste genetische Blaupause eines einzelnen Menschen. Angesichts der daraus hervorgehenden Risikofaktoren - darunter eine erhöhte Herzinfarkt-Gefährdung - nahm Venter anschließend vorbeugend entsprechende Medikamente ein. «Die Kenntnis von unseren genetischen Risiken bedeutet Macht - die Macht, ihnen entgegenzusteuern», sagte Venter einmal der Deutschen Presse-Agentur. Später gründete er eine eigene Firma mit dem Ziel, die «gesunde Lebenszeit» der Menschen zu verlängern. Letztlich konnte aber auch der Pionier der Erbgut-Forschung die Naturgesetze nicht völlig außer Kraft setzen. Am Mittwoch (Ortszeit) starb Venter im Alter von 79 Jahren in einem Krankenhaus in San Diego, wie das von ihm gegründete J. Craig Venter Institut (JCVI) mitteilte. Bei der Therapie gegen eine kürzlich diagnostizierte Krebserkrankung seien unerwartete Nebenwirkungen aufgetreten. Der am 14. Oktober 1946 in Salt Lake City als Sohn eines deutschstämmigen Buchhalters geborene Forscher war immer so schillernd wie umstritten. Die Schule nahm er eigenen Berichten zufolge nicht wirklich ernst, sondern ging lieber surfen. Später wurde er eingezogen und arbeitete während des Vietnam-Kriegs als Sanitäter im Krankenhaus der US-Marine. Im Anschluss studierte er in Kalifornien und spezialisierte sich auf Biochemie. 1999 forderte er schließlich ein internationales Forscherteam heraus, das schon lange daran gearbeitet hatte, das menschliche Erbgut zu entschlüsseln. Nach nur 15 Monaten erreichte er etwa zeitgleich mit dem staatlich geförderten Human Genome Project das Ziel - wie «auf Steroiden und Kokain», sagte Venter später. «Ich denke, das ist viel wichtiger als auf dem Mond zu laufen», kommentierte der Wissenschaftler einmal seine größte Errungenschaft. Das Projekt machte ihn weltberühmt - aber auch äußerst umstritten. Danach kündigten er und sein Team mit schwindelerregendem Tempo immer wieder neue Entdeckungen und Vorhaben an. Ein Bakterium mit künstlichem Erbgut etwa, um die Welt vor der Klimakatastrophe zu retten und neue Energiequellen zu erschließen. Oder die Entschlüsselung der Genome Zehntausender Menschen pro Jahr, um eine riesige Datenbasis für die Forschung zu haben. Viele Kollegen warfen Venter immer wieder Größenwahn, Narzissmus und einen zu stark ausgeprägten Geschäftssinn vor. Aber der Wissenschaftler, der viele Jahre dem von ihm gegründeten J. Craig Venter Institut vorsaß, bekam auch zahlreiche Preise und bewies mehrfach, dass er scheinbar Unmögliches bewerkstelligen konnte. «Craig war davon überzeugt, dass die Wissenschaft nur dann vorankommt, wenn Menschen bereit sind, über den Tellerrand hinauszuschauen, entschlossen zu handeln und Dinge zu schaffen, die es noch nicht gibt», erklärte der Präsident des Instituts, Anders Dale, zum Tod von Venter.Wettbewerb mit internationalem Forschungsteam
Mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet
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Umstrittener Erbgut-Pionier Craig Venter gestorben
Craig Venter hat das menschliche Genom entschlüsselt und schuf das erste Bakterium mit künstlichem Erbgut. Aber der schillernde Gen-Pionier war immer umstritten. Nun ist der US-Forscher gestorben.
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