28. Juni 2026 / Aktuell

Die Vorlesefamilie wächst – laut und deutlich

11. Vorlesewettbewerb für Rheinbacher Grundschulkinder

Veröffentlicht am 28. Juni 2026 um 04:59 Uhr

Die Vorlesefamilie wächst – laut und deutlich 
 
Beim 11. Vorlesewettbewerb für Rheinbacher Grundschulkinder boten 14 Kinder in der Aula der GGS Sürster Weg beeindruckende Vorlesekunst und beste Werbung für Kinderliteratur. Die neue Titelträgerin heißt Nora Dinse (KGS St. Martin). Auf Platz zwei und drei landeten Magdalena Altmann (KGS an der Tomburg) und Matha Woesler (KGS St. Martin). 
 
„Laut oder deutlich“, wie der Grundschulvorlesewettbewerb von Ausrichter Rheinbach liest e.V. genannt wird, entwickelt sich immer mehr zum Familientreffen. Die Siegerin aus dem Schuljahr 20/21, Gesangstalent Leni Beer (14), eröffnete mit Sarah Connors „Wie schön du bist“. Lenya Kreuzer, die an der Seite von Gerd Engel die Veranstaltung moderierte, hatte im Schuljahr 17/18 auf dem Siegerpodest gestanden, und auch in der Jury und im Coaching-Team tummelten sich viele ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer.  


 
Diesen Zusammenhalt – auch zwischen den Kooperationspartnern aus Bücherei, Buchhandlungen, Stadt, Schulen und Verein - hatte Schirmherr, Rheinbachs Bürgermeister Dr. Daniel Phiesel „als besonderen Geist dieser Veranstaltung“ hervorgehoben. Es stünden zudem „nicht nur Leistung und Bewertung im Mittelpunkt, sondern vor allem Leidenschaft für Bücher, die persönliche Entwicklung der Kinder und das gemeinsame Erleben.“ 

Es war ein großartiger Reigen aus liebevoll ausgesuchten Buchstellen, die in der schönen und von Michael Sprick festlich erleuchteten und beschallten Grundschulaula vor gut 100 Gästen vorgelesen wurden. Berührend die von Johanna Bansemer gelesene Wiedersehensszene im Land Nangijala aus Lindgrens „Die Brüder Löwenherz“, brüllend komisch das Vater-Tochter-Gespräch in der Götterwelt von Frank Schwiegers „Ich, Odysseus und die Bande aus Troja“, gelesen von Sophia Schember. Eindringlich und von ungewohntem Ernst war Anton Fronhoffs Vortrag aus „Der Tunnelbauer“ von Frank Schwieger, ein Roman, der die sogenannte „Republikflucht“ aus der ehemaligen DDR zum Thema hatte.

 

Mathea Woesler ließ den bösen Zauberer Irrwitzer in Michael Endes „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ beim Besuch von Beelzebubs Abgesandten Herrn Made ins Schwitzen kommen – sie genoss ihre Zeit am Lesepult sichtlich und wurde mit Platz 3 belohnt. Magdalena Altmann tat es ihr in gewisser Weise gleich: In Cornelia Funkes „Herr der Diebe“ hatte sie die Stelle ausgesucht, in der ein Detektiv bei seinem Beschattungsauftrag von der Kinderbande ausgetrickst und am Ende einer schmerzhaften „Handtaschenbehandlung“ zorniger dicker Venezianerinnen unterzogen wird. Damit sowie mit sehr gekonnter Pausensetzung und gutem Publikumskontakt las die Schülerin der KGS an der Tomburg sich auf Platz 2.  


 
Nora Dinse war es gelungen eine gleichermaßen lustige als auch emotionale Stelle in Gesa Schwarz’ „Ella Löwenstein – Eine Welt voller Wunder“ zu finden. Sie wechselte gekonnt zwischen den Stimmungen und Figuren, Ella und einem Heidekobold namens Kasimir, Dazu verband sich Nora souverän mit ihren Zuhörern. Nun steht die junge Vorlesekünstlerin in der „Liste der besonders Glücklichen“, wie es im Programmblatt heißt, direkt hinter Vorjahresgewinnerin Marie Özer. Bemerkenswert: Diese Liste beginnt im Schuljahr 2015/16 mit der späteren Deutschlandsiegerin im Vorlesen Victoria Schaay.


 
Die Jury aus fünf Erwachsenen und vier Jugendlichen war offensichtlich ganz schön ins Schwitzen gekommen, was nur zum Teil an der hohen Raumtemperatur lag, vor allem aber an den herausragenden Leseleistungen der teilnehmenden Kinder, denen die Hitze nichts auszumachen schien. Im Gegenteil – sie wuchsen über sich hinaus. Für die Vorlesenden und das große Coaching-Team gehen nun intensive und gesellige Wochen der gemeinsamen Vorbereitung in der Öffentlichen Bücherei St. Martin und dem Kulturzentrum Himmeroder Hof erst einmal zu Ende. Aber das Gute an Rheinbach ist ja, dass es noch mehr Formate gibt, bei denen Kinder vor Publikum vorlesen und vortragen können: die Lesewiese, die Geschichtenwanderung im Merzbacher Wald und das Projekt „VersGetümmel“, um nur einige zu nennen. Und im nächsten Jahr, so versprachen viele, werde das Coaching-Team garantiert ein paar junge Mitglieder mehr haben. Die Vorlese-Familie dürfte also weiter wachsen. 

Fotografin: Ursula Peters

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